Thematischer, tiefgründiger, transparenter – Der SEO Day ist erwachsen(er) geworden.

Als „SEO Fuzzie“ empfiehlt es sich, regelmäßig an Tagungen und Konferenzen für den Bereich Suchmaschinenoptimierung teilzunehmen. Der SEO Day in Köln ist ein solcher Termin, mittlerweile zum 3. Mal. Das wirklich gute daran ist, dass es hier sehr thematisch zugeht. Und das Business wächst deutlich.

Was in den letzten Jahren oft noch müde belächelt und mitleidig beäugt wurde, hat sich zu einer knallharten Tatsache gemausert, mit der sich mittlerweile dutzende Unternehmen konfrontiert sehen, jedoch oft nicht handlungsfähig sind.

Bewölkt und herbstlich nasskalt präsentiert sich Köln bei meiner Ankunft. Der Flug jedoch war entspannt – nicht zuletzt, weil RTL die halbe Maschine inklusive Barbara Schöneberger gebucht hatte, um diverse U-Z Promis zu irgendeinem Comedy Zirkus zu karren. Köln halt…

Das Rhein Energie Stadion, Veranstaltungsort des SEO Day 2013, liegt im Nebel. Ich fühle mich an diverse Edgar Wallace Filme erinnert. Droht Unheil für die Suchmaschinenoptimierung? Wird Google zur Welt – Diktatur? Panda, Pinguin, Venice und nun Kolibri stellen SEO Experten landauf, landab ständig vor neue Probleme und sorgen für blaue Briefe bei vielen Webmastern. Ein nicht geringer Prozentsatz Glaskugel-Philosophie sorgt dann nicht selten für das nahezu perfekte Chaos in der Onlinewelt. Aber wie mit allen Dingen im Leben, sortiert sich auch dieser Bereich zunehmend – man wird älter, weiser und unaufgeregter.

SEO versus Economy – mit SEO bis zur Rente?

Noch 2011 ergab eine sehr umfangreiche Branchen-Befragung der FAZ, dass erschreckende 50% aller Unternehmen entweder kein SEO Monitoring durchführten oder keinerlei Kenntnisse über die Durchführung desselben hatten. Über 70% aller aktiv SEO betreibenden Unternehmen bedienten sich externer Dienstleister (SEO Agenturen) und nicht einmal 10% des Werbeetats wurde in das Online Marketing gesteckt. Heute, knapp 2 Jahre später, hat sich hier einiges getan. Viel zu lange haben viel zu viele Vorstandsetagen schlicht und ergreifend gepennt, was sich in der Zahl ihrer Repräsentanten zeigt, welche sichtlich zugenommen hat. Bereits am Eingang zum SEO Day erfolgten die ersten Anwerbeversuche, welche sich durch den ganzen Tag zogen.

Was diesen Wachstumstrend so stark befeuert, offenbart sich bei einem Blick in diverse Jobportale, die vor Stellenofferten für die Bereiche SEO, SEA und Online Marketing förmlich platzen. Doch wen holt man sich da ins Unternehmen? Die breite Thematik der Suchmaschinenoptimierung erfordert den berühmten Hubschrauberblick auf die Komplexität der Dinge. Es reicht nicht, eine Onpage Optimierung vorzunehmen, ein paar Adwords Kampagnen aufzusetzen und die Social Media Kanäle zu bedienen. Die Berührungspunkte in den einzelnen Disziplinen werden mit zunehmendem Technik-Fortschritt größer. So rückt die Teamarbeit noch mehr in den Fokus und erfordert einen hohen Zeit Invest in detaillierte Abstimmungsprozesse innerhalb der Unternehmensstruktur. Ein Aufwand, der sich lohnt.

SEO ist mehr Berufung, denn Beruf. Und man kann in diesem Bereich bis zur Rente kommen, wenn man sich stetige Qualifikationen aneignet und nicht in der Generalisten Position verharrt – will heißen, dass man die vielfältigen Aufgaben delegieren muss und sich selbst auf eine Fach-Thematik oder eine Themen-Branche fokussieren sollte. Wer ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden Varianten erreichen kann, ist langfristig in der besten Position am Markt. Denn der Blick 20 Jahre voraus lässt bei unterschiedlichsten Prognosen eines immer erkennen – die Personalisierung des Internets und die Profilierung des einzelnen Users. Wer hier branchenaffin (Beispiel „Versicherung & Finanzen“ oder „Hotels & Reisen“) interessiert ist und die technischen Entwicklungsprozesse (Beispiel „Strukturierte Daten“ oder „Video SEO„) aufnimmt, wird auch zukünftig heiß umworben sein. So kann man gerade jungen Leuten ans Herz legen, sich in diesem Berufsfeld genauer umzuschauen. Wacher, kompetenter Nachwuchs ist rar gesät.

Kompetente Speaker für Anfänger, Fortgeschrittene und Experten.

Die Speaker sind sicherlich die heimlichen „SEO Stars“ der Szene. Leute wie Karl Kratz, Dominik Wojcik, Johannes Beus, Jens Brechmann, Sepita Ansari, Christian Tembrink und viele Andere, sorgen auf leichte und manchmal schon kabarettistische Art und Weise für die Vermittlung von Wissen. Man hat die Qual der Wahl zwischen mehr als 25 Vorträgen und bräuchte eigentlich 3 Köpfe, um all das auch nur annähernd aufzunehmen.

Themen wie Additive Tracking, Content Dynamisierung, Schema.org Integrationen oder auch Video-SEO stehen im 3. Jahr des SEO Day auffällig gleichrangig neben Themen wie die rechtliche Auswirkung der SEO-Arbeit für Kunden oder Qualifikationen für die nächsten Jahre im Job. Es ist deutlich zu hören und zu spüren, dass SEO im Alltag angekommen ist. Dabei wird in den einzelnen Slots auf den Wissensstand der Teilnehmer Rücksicht genommen, was sich in einer einfachen Sprache und verständlichen Präsentationen zeigt. Einige Vorträge erlauben einen tiefen Einblick in die persönlichen Projekte und Arbeitsweisen der Referenten, wobei auch das Scheitern kein Tabu ist. Warum auch nicht? O-Ton: „Man muss zu der Scheiße auch stehen, die man unter Umständen verbockt hat…“

Es ist bewusster geworden, dass die mangelnde Informationspolitik seitens Google einen hohen Recherche Aufwand erfordert, um die Ziele des Kunden in ein gesundes Verhältnis zu den Möglichkeiten Online zu setzen. Die Ungeduld des Kunden setzt vielen SEOs zu, denn Suchmaschinenoptimierung ist kein Wunschkonzert, sondern eine kleinteilige Geduldsprobe.

Der thematische Gesamteindruck des SEO Day vermittelt direkt, dass die Branche erwachsen geworden ist und die sozialen Aspekte und Umfeld Faktoren der Suchmaschinenoptimierung miteinbezieht – das macht die ganze Sache weniger technisch und sorgte hörbar für ganz neue Gespräche in den Tagungspausen.

Daten, Daten, nochmals Daten: Vertrauen in Google ist gut, Kontrolle im eigenen Haus ist besser.

Vertrauen und Strategiebewusstsein müssen bei der Suchmaschinenoptimierung im Vordergrund stehen, was die Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Dienstleister angeht. Blankes Vertrauen in Google ist niemals angebracht, zumal der Suchmaschinengigant außerhalb einer interessierten Gemeinschaft oft mit einer gewaltigen Datensammelkrake in Verbindung gebracht wird, der man nicht mehr habhaft wird. Sind SEOler also die Sklaven Googles?

Erfreulicherweise wurde in den Gesprächen auf dem SEO Day offener Kritik geübt bzw. geteilt und Vergleiche mit einer „Diktatur des Internets“ diskutiert. Die Auseinandersetzung hierüber kann nur begrüßt werden, weil sie die Sensibilität der Daten in den Vordergrund hebt. Besonders die schwer rückgängig zu machenden Fehler im Bereich der Suchmaschinenoptimierung veranlassen immer mehr Unternehmen, die SEO Kompetenz Inhouse zu holen. Die Gründe liegen auf der Hand: Der Erstinvest an Personalkosten mag hoch sein, die langfristige tagesaktuelle und thematische Suchmaschinenpositionierung jedoch ist dann das Ergebnis eines vollen ‚Mann-Tages‘; d.h. der Mitarbeiter steht dem Unternehmen in Vollzeit und branchenaffin zur Verfügung. Das sichert gerade im Bereich Strategie einen langfristigen und operativen Optimierungsprozess. Der SEO Day bewies somit, dass der Blick auf SEO & Co. transparenter geworden ist – gar einen gesellschaftspolitischen Touch bekam. Sehr erfreulich.

Somit ging eine spannende Tagung in Köln zu Ende und – Tada – der Nebel war gelichtet und am Horizont schimmerte ein wolkenbehangener Sonnenuntergang durch. Auf ein arbeitsames Jahr und viel Vorfreude auf die kommenden Umsetzungsstrategien! SEO Day 2014 – ich bin dabei!

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2 pensieri su “SEO Day 2013: Suchmaschinenoptimierung Ü30 – Einblicke und Ausblicke.”

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